Dokumentation

Grafik-Kunststück-Seite-6Tagungsbericht

Studierende in ihrer Entwicklung zu einer erfolgreichen Musikerpersönlichkeit zu unterstützen, ihnen zu helfen, ihre Fähigkeiten im Umgang mit dem eigenen Instrument, ihrer Stimme, im Komponieren oder im Dirigieren zu erweitern und ihre künstlerische Ausdrucksfähigkeit zu fördern – das sind nur einige der zentralen Aufgaben von Lehrenden im künstlerischen Einzelunterricht an Musikhochschulen. Sie sind Begleiter in krisenhaften Situationen, wirken als künstlerisches Vorbild und bereiten auf eine komplexe und kompetitive Berufswirklichkeit vor.

Der Erörterung dieser vielfältigen Aufgaben wandte sich die 2. Jahrestagung des Netzwerks Musikhochschulen für Qualitätsmanagement und Lehrentwicklung unter dem Titel „Kunststück? – Lehren und Lernen im Einzelunterricht“ zu. Über 70 Tagungsgäste von insgesamt 22 verschiedenen, überwiegend im Kunst- und Musikbereich verorteten Hochschulen nutzten die Gelegenheit, sich zum meist hinter verschlossenen Türen stattfindenden Einzelunterricht und seinen Besonderheiten auszutauschen. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung stand der künstlerische Einzelunterricht in seinen sozialen, methodischen und curricularen Dimensionen, wobei die Frage, wie Qualität im Einzelunterricht im Hinblick auf jede dieser drei Dimensionen beschrieben und diskutiert werden kann, zu intensivem Nachdenken führte: Was ist gelungener Einzelunterricht aus Lehrenden- sowie aus Studierendenperspektive? Wo liegen gegenwärtig die Herausforderungen in einem vom Meister-Schüler-Prinzip geprägten Instrumental- und Gesangsunterricht? Bemisst sich erfolgreicher Einzelunterricht allein am Outcome oder auch am Unterrichtsprozess? Ist das Zusammenwirken künstlerischer und pädagogischer Expertise Gelingensvoraussetzung für den Einzelunterricht?

Das vom Netzwerk Musikhochschulen anlehnend an den aktuellen Forschungsstand und unter dem Blickwinkel von Qualitätssicherung und -entwicklung entworfene Metamodell bot für diese und andere Fragestellungen einen ersten systematisierenden Zugang.

Es diente als Grundlage eines abwechslungsreichen Tagungsprogramms, in dem alle dargestellten Dimensionen im Rahmen von Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden beleuchtet werden konnten. Ihm folgten auch die drei Impulspulsvorträge zum Auftakt: Prof. Andreas C. Lehmann (HfM Würzburg) gab einen Überblick über den Forschungsstand, und Govinda Wroblewsky und Ulrike Böhmer (beide HfM Detmold/Netzwerk Musikhochschulen) stellten erste Ergebnisse einer Befragung unter Studierenden vor. Zwei ihrer studentischen Interviewpartner gaben persönlich einen unmittelbaren Einblick in ihren Unterricht. Hans-Werner Huppertz, Professor für Gitarre an der HfMT Köln, reflektierte Fragen, denen er sich in seinem Alltag als Lehrender gegenüber sieht.
Den Vorträgen folgten drei Einheiten offenen Unterrichts: Martin Hummel (Gesang, HfM Würzburg), Prof. Norbert Stertz (Horn, HfM Detmold) und Prof. Bob Versteegh (Klavier, HfM Detmold) zeigten dem aufmerksamen Auditorium, wie verschieden die Erfordernisse der einzelnen künstlerischen Fächer im Unterricht sind und wie unterschiedlich sich die individuellen Lehrer-Schüler-Interaktionen gestalten.

Der zweite Tag bot in fünf thematisch breitgefächerten Workshops praktische Anregungen für den Einzelunterricht. Marianne Heiden (Universität Augsburg) zeigte auf, wie Videoaufzeichnungen von Unterrichtsstunden als wertvolles Feedbackinstrument nutzbar gemacht werden können. Den starken Einfluss der inneren Haltung von Lehrenden auf ihre Studierenden thematisierte Prof. Ursula Schmidt-Laukamp (HfMT Köln). Dr. Martin Fendel (HfM Detmold) öffnete den Blick für die zahlreichen Möglichkeiten, die Gesundheit von physisch wie psychisch stark geforderten Berufsmusikern bereits im Studium zu stärken. Dass es trotz der sensiblen Lehrer-Schüler-Beziehung im Einzelunterricht Möglichkeiten der Lehrevaluation gibt, vermittelten die Netzwerkmitglieder Melanie Franz-Özdemir (HfK Bremen) und Jürgen Reimann (RSH Düsseldorf). Simone Zgraggen, Professorin für Violine, ließ die Tagungsteilnehmer an ihren positiven Erfahrungen mit einem neuartigen Co-Teaching-Modell an der HfM Freiburg teilhaben.
Sie haben die Jahrestagung verpasst und möchten die vorgestellten Themen in Ruhe weiter verfolgen? Interessenten steht unter dem Menüpunkt „Jahrestagung“ auf www.netzwerk-musikhochschulen.de die ausführliche Tagungsdokumentation mit Präsentationen der Referenten sowie den vorgestellten Konzepten zur Verfügung.
Auch 2016 wird das Netzwerk Musikhochschulen der Qualitäts- und Lehrentwicklung an Musikhochschulen ein Forum bieten. Zum Ende der ersten Förderperiode werden vom 17. - 18. November an der Hochschule für Musik Detmold die vom Netzwerk Musikhochschulen erarbeiteten Ergebnisse und laufende Projekte vorgestellt sowie Diskussionsforen für relevante hochschuldidaktische Fragestellungen geschaffen.

Tagungsbericht von Maria Saulich

 

Dokumente zu den Vorträgen, Workshops und zum offenen Unterricht

Donnerstag, 19. November

 

Jahrestagung PlenumKünstlerischer Einzelunterricht an Musikhochschulen: Was wissen wir über diese geliebte, gefürchtete, unerforschte Unterrichtssituation

Prof. Dr. Andreas C. Lehmann, HfM Würzburg

Präsentation

Literaturliste

 

"...dass man das Gefühl hat, man ist auch irgendwie Künstler..." - Studierende berichten über ihren Einzelunterricht

Ulrike Böhmer, Govinda Wroblewsky, Studierende der HfM Detmold und der HfMT Köln

Präsentation

Erfolgreich scheitern

Prof. Hans-Werner Huppertz

Vortrag

Offener Unterricht

Fragebogen Martin Hummel

Fragebogen Prof. Norbert Stertz

Fragebogen Prof. Bob Versteegh

 

Freitag, 20. November

 

Evaluationsmöglichkeiten im Einzelunterricht

Melanie Franz-Özdemir, Jürgen Reimann

Konzept

Co-Teaching an Musikhochschulen

Prof. Simone Zgraggen

Alles wird gut ... oder: Was haben Grundeinstellungen von Lehrenden mit der Zukunft der Lernenden zu tun?

Prof. Ursula Schmidt-Laukamp

Reflexion

Wir forschen selbst! - Studierende und Lehrende reflektieren Videos aus ihrem künstlerischen Einzelunterricht

Marianne Heiden

Handout

Präsentation

Musikergesundheit

Dr. Martin Fendel

Präsentation

Co-Teaching an Musikhochschulen

Prof. Simone Zgraggen

Kurzbeschreibung der Methode